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Musik

Clara Bow – “Not Now”

Etwas so punklastiges hatte ich schon lange nicht mehr gehört. Aber nun habe ich es gehört und es ist gut. (Text: Ali Tschertow / FishBookLetters)

Clara Bow heißt die Band, sie besteht aus vier Hamburger Ladies, Katrin Hesse – Gesang und Gitarre, Phyllis Schürger – Drums & Shouts, Dr. Ingrid Müller – Keyboards und Gesang und Jeannine Alice Rüdiger – Bass, Gitarre und Gesang.

Die vier offensichtlich hoch energetischen Mädels haben sich nach dem zwanziger Jahre It-Girl Clara Bow benannt. Diese sagte in ihrem berühmtesten Film: „I’m sorry, but a girl has to do that.” Na ja und das haben sich die Vier zu Herzen genommen.

Seit sieben Jahren spielen sie zusammen und das, was dabei musikalisch herauskommt, ist ein Mix aus Punk, heftigem Rock und Power Pop.

Die Songs sind qualitativ absolut gut. Tatsächlich hat alles einen leicht rotzigen Unterton, was die Musik der Vier auch im Sound angenehm von diversen Kommerzgeschichten abhebt. Übrigens will ich nicht gesagt haben, dass der Sound nicht kommerztauglich wäre. Sie klingen nur nicht so clean. Super clean ist quasi tot, doch diese Ladies leben und das kann man hören!

Beim Anhören der Platte bekam ich richtig Lust meine ollen SLIME und Peter And The Testtube Babies Platten herauszuholen. Bei Track 2, „paul rulz“, musste ich an die guten alten Babes In Toyland denken – die Riot Girl Band aus den USA, die ich mal richtig gut fand.

So könnte ich jetzt für jeden Song was herauskramen, was mir dazu in den Sinn kommt, was mich an irgendwas erinnert. Fest steht, alles was mir zu den Tunes von Clara Bow einfällt ist positiv. Beim Hören der Songs von „Not Now“, dem Debüt Album von Clara Bow, bekomme ich ganz automatisch gute Laune und bin geneigt durchs Zimmer zu hüpfen.

Wenn Clara Bow in Eurer Nähe spielen, dann verpasst nicht die Chance eine wirklich geile Band zu hören, eine Band die Druck macht wie Sau, deren Musik direkt in Eure Beine geht und die zum wildesten Pogo animiert.
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Kottarashky & The Rain Dogs „Demoni“

Balkan Beats 2.0 (Text: Ali Tschertow/FishBookLetters)

Im Jahr 2009 veröffentlichte Kottarashky, aka Nikola Gruev, mit “Opa Hey” sein erstes Album. Für mich war es auch die erste Gelegenheit, überhaupt etwas von ihm wahr zu nehmen.

Damals war ich, so wie heute auch noch, total begeistert, von seiner Art Musik zu machen. Sammelt Gruev doch O-Töne der Musik seiner Heimat (übrigens ausschließlich aus ländlichen Regionen) und bastelt mit diesen und sehr coolen Beats Musik, die es so nur selten zu hören gibt.

Nun haben wir Mai 2012 und ein neues Album des bulgarischen Soundwunders ist erschienen. Diesmal war die Herangehensweise ein wenig anders, denn der Erfolg des Debüts machte klar, dass diese Musik auf die Bühne gehört. Gruev holte sich seinen Freund Hristo Hadzhiganchev (Gitarre, Keyboard, Gesang) dazu und castete mit ihm Musik, die sich auch live umsetzten lässt. So wuchs um Nikola und Hristo eine bunte Truppe mit Klarinette, E-Bass und Drums.

Entstanden ist mit „Demoni“ ein Album welches noch bunter und ungewöhnlicher ist als „Opa Hey“. Obwohl gerade für die Live-Geschichten vieles vereinfacht werden musste, hat dieses Album nur dazu gewonnen. Es ist wohl gerade dieser Mix aus Konserve und Live-Spiel, der dieser Musik ihre unheimliche Fülle und Wärme gibt.

So ist „Demoni“ von Kottarashky & The Rain Dogs für mich abermals eine musikalische Offenbarung, Musik die in jede Bar, an jeden Beach und in jeden Club gehört.

Vielen Dank übrigens auch an das Label Asphalt Tango Records, das solche Musik zu uns holt und uns somit unseren musikalischen Horizont erweitert. Danke!

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FEHLFARBEN – XENOPHONIE

Mit „Xenophonie“ landen die Fehlfarben wieder einmal einen echten Coup. Schon immer überzeugten die Fehlfarben mit so schrecklich wahren Texten und passendem Sound. Nun wird mir auch noch vom Label ein enorm genialer Pressetext zur Verfügung gestellt, den zu übertreffen mir nicht vergönnt ist.

So lest also die Worte von Jan Müller (Tocotronic): „Als mich vor zwei Tagen mein alter Freund Carsten Friedrichs, der mittlerweile bei Tapete Records in Lohn und Brot steht, anrief und mich fragte, ob ich Lust hätte, ein paar Worte zum neuen Album der Fehlfarben zu verfassen, sagte ich ohne eine Sekunde zu zögern zu.

Eine Ehre, selbstverständlich. Meine letzte Begegnung mit den Fehlfarben liegt zwei Jahre zurück. Ich durfte sie live bei einem Festival erleben und war von ihrem eigenen, spezifischen Auftreten begeistert. Inmitten all der zwischen Publikumsanimationen und eitel zur Schau getragenen Pseudo-Verrücktheiten oszillierender Musiksoße eines Festivalsommers waren sie so angenehm, so anders, so eigen und emanzipiert.

Das neue Album Xenophonie klingt ungemein frisch. Beim Opener “Dekade 2″ haut den Hörer zunächst ein Wahnsinns-Riff um; kurze Zeit später erklingt Peter Heins Stimme mit eben jenem unschwer wiedererkennbaren Ausdruck, diesem Gesang, den nur er beherrscht: dringlich-konkret und doch voller Poesie und Melancholie. Dieser Mann ist vermutlich gar nicht in der Lage, banal oder belanglos zu klingen. Mit diesem ersten Stück des Albums, mit seinem wunderbaren und kurzen Text hat die Band nach 2 Minuten und 21 Sekunden bereits alles klargestellt. Das Weitere ist Kür.

Obwohl die Texte der Fehlfarben mitunter sehr stark im Hier und Jetzt verortet sind und diverse Ekelhaftigkeiten unseres alltäglichen Lebens benennen, wird in ihnen kein Trübsal geblasen. Dafür sorgt einerseits ein teilweise gespenstisch lockerer Peter Hein: Seit “Resistance” von Family 5 (einem meiner Lieblingsalben mit seiner Beteiligung) habe ich ihn nicht mehr so lässig erlebt. Dafür sorgen auch Textzeilen, die wohl kaum ein anderer derart doppeldeutig, mit der eigenen Biografie Wortspiele spinnend und dennoch noch viel mehr zum Ausdruck bringend, formulieren könnte: “Ich muss doch schon lang nicht mehr probieren die Lage, wie sie ist, zu kommentieren. Ich hab doch lang genug gelebt vom Kopieren, um jetzt noch den Durchblick zu verlieren” (aus “Lang genug”).

Der andere Grund für die Frische des Albums sind die Songs und deren Sound. Die Band (neben Peter Hein sind Saskia von Klitzing, Pyrolator, Frank Fenstermacher, Uwe Jahnke und Michael Kemner beteiligt) leistet ganze Arbeit: Wie die Organe eines Körpers stehen sie miteinander im Vielklang. Weiteren rauen Glanz liefert der Produzent Moses Schneider.

Vermutlich versteht es zur Zeit keiner besser als er, eine Band in ihrer Stärke zu erkennen, ihre tiefsten Talente hervorzukitzeln und ihre Energie zum Klingen zu bringen. Einer seiner Zaubertricks ist die Liveaufnahme, welche er dieses Mal mit den Fehlfarben im altehrwürdigen Hansastudio in Berlin aufgeführt hat. Man spürt ihn noch: Den Hauch von David Bowie, Iggy Pop, den Thompson Twins und von Depeche Mode.

Und im letzten Stück des Albums, dem fast zehnminütigen “Herbstwind” verwandeln sich die Fehlfarben in Riders on the Storm, ehe ein Fortunaschal den schönen Spuk beiseite fegt. Es ist wunderbar, wenn es eine Band nach über 30 Jahren noch versteht, den Hörer derart zu überraschen.

“Das Frühwerk am Hals wie ein Mühlstein” lautet eine Textzeile aus dem Stück “TCM

(Polychemie)”. Für die Fehlfarben ist es vermutlich auch ein Fluch, bereits in früher Jugend das altersweise Über-Album “Monarchie und Alltag” geschaffen zu haben. Würden wir uns unserer Sentimentalität entledigen können, welche wir so gerne speisen, indem wir die alte schöne Schallplatte aus dem Jahr 1980 nochmals auflegen, so könnten wir den Fehlfarben vielleicht den Mühlstein vom Halse entfernen – doch das ist eine Utopie, die dann zu der Band und ihren Texten, welche politisch und poetisch zugleich sind, auch nicht so recht passen würde. Die Fehlfarben sollten Monarchie & Alltag nicht als Mühlstein am Hals, sondern als Orden auf der Brust tragen, ebenso wie ihre anderen Alben, insbesondere ihr

neues Werk Xenophonie, mit welchem sie wieder einmal einen der kitschigsten Mythen der Popmusik-Journaille widerlegt haben – nämlich denjenigen, dass Bands zwangsläufig mit andauerndem Fortbestehen langweiliger zu werden haben.

Zu guter Letzt noch ein Anspieltipp von meiner Seite: der Titel “Hygieneporzellan”. Eine zärtlich-hymnische Ode an einen doch so wichtigen Gegenstand in jedem Haushalt: DieToilette“.

Mir bleibt nur noch zu sagen: „Wenn ihr die Fehlfarben mögt, auch ihre Texte und Musik, ihr der Art die Texte rüber zu bringen, wie Peter Hein es tut, liebt und wenn ihr auf Qualität steht, dann kommt ihr an diesem Album nicht vorbei!

Am 18.5.2012 erscheint dieses tatsächlich wichtige Album.

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Seu Jorge – „Músicas para Churrasco“

Jetzt darf der Frühling kommen. (Text: Ali Tschertow/FishBookLetters)

Seu Jorge sagt dir nichts? Kennst du den Film „City of God“? Wenn du den kennst, dann versuche dich an Mané (den Stecher) zu erinnern. Wenn du das hin bekommst, dann weist du wer Seu Jorge ist.

Seu Jorge war ja tatsächlich ein Kind aus einer Favela nahe Rio de Janeiro. Das Familieneinkommen besserte er mit Reifenreparaturen auf. Doch seine Liebe galt stets der Musik und dem Theater und so investierte er über Jahre, Zeit und Geld in die Kunst. Wenn man in einer Favela lebt, dann ist das gar nicht so einfach. In einem Interview, das er „The Independent“ gab sagte er: “Aus einer Favela herauszukommen ist eine schwierige Sache. Gangster sind so machtvoll. Der Drogenhandel ist überall, und keiner hat Arbeit”.

Musik und Schauspielerei sind immer noch Mittelpunkt seines Lebens. Und nun gibt es ein Album von ihm, „Músicas para Churrasco“ (Musik für Grillfeste). Das klingt erst einmal recht unspektakulär, aber wenn man versucht nicht an hiesige Schlachtfeste zu denken, sondern eher an tropische Gegenden, an super entspannte Leute und wirklich coole Musik, dann weiß man um welche Art von Musik es sich hierbei handelt.

„Músicas para Churrasco” hat zehn Tracks die genau das erfüllen, was ich erwarte, wenn ich an aktuelle Musik aus Brasilien denke. Die Musik ist hochklassig und dennoch leicht und voller Energie. Manchmal wünschte ich mir ein wenig so zu sein wie diese Musik.

Übrigens erscheint, nein erschien „Músicas para Churrasco” von Seu Jorge am 20. April. Die Musik ist nicht nur für Feiern ideal, nein auch zum Aufstehen ist sie bestens geeignet, ich spreche aus Erfahrung.

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Los Miticos Del Ritmo

Stell Dir vor die Sonne brennt und die Luft ist schwer vor Hitze und Feuchtigkeit, stell dir vor du bist in Kolumbien, du sitzt auf der Veranda einer Bar, trinkst deinen Rum und fühlst dich einfach nur matt. (Text: Ali Tschertow / FishBookLetters)

…doch auf ein mal hörst du aus der Bar zwei Häuser weiter etwas scheppern und nach längerem Hinhören bemerkst du, es ist Musik und die reist dich hoch von deinem angegammelten Sessel, du fühlst die Kraft zurückkehren und deine Beine beginnen rhythmisch zu zucken.

Ja so in etwa könnte es laufen, wenn dir Cumbia-Rhythmen begegnen.

Zu verdanken haben wir dieses Album Will „Quantic“ Holland, dem Leader der siebenköpfigen Studioband Los Miticos Del Ritmo.

Das Album wurde in Wills Studio in Cali aufgenommen und Ziel war es, den Sound der Sechziger wieder zu beleben. In einem Interview mit Soundway sagt Will es solle klingen: „Als würde das Album nach Jahrzehnten voller Feuchtigkeit und Staub aus einem Keller hervorgeholt werden“.

Aber er wollte keine Klassiker zum hundertsten Mal aufnehmen und so coverten die Herren und brachten frische Klänge in alte Gewänder. Unters den Coverversionen finden sich unter anderem Songs wie Queens „Another One Bites The Dust oder Don´t Stop“ von Michael Jackson.

Seit Will Quantic 2007 nach Kolumbien ging, hat er sich zu einem absoluten Kenner der Kolumbianischen Musik entwickelt und nun ist es ihm möglich, mit dieser Musik zu experimentieren.

Los Mitikcos Del Ritmo ist ein gelungenes Experiment. Die Musik die für unsere Ohren nicht alltäglich ist, reißt uns mit und hilft uns, so wir es wollen, in eine Welt einzutauchen, die fern ist und für uns den Hauch von Abenteuer und fremden Gerüchen trägt.

Ein dreißigminütiger Kurztrip nach Mittelamerika, in bester Qualität und garantiert moskitofrei.

Das Album erscheint am 4. Mai 2012.

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Neues Album von CHRISTIAN LÖEFFLER

Christian Löfflers Musik kennzeichnet eine Art aufsteigende Intensitätskurve, an der alles abfällt, was nicht wesentlich ist.

Wesentlich im Sinne von introspektiv. Kickt zum Beispiel am Anfang eines Tracks die bass drum vergleichsweise neutral vor sich hin, ist auch das schon in sich gekehrt. Tanzen ja, aber mit einem Bein im Traum. Das immer neu einsetzende, alles Kommende und Gewesene grundierende Knistern, diese pendelnden, gerne auch wie abwesend ineinander kippenden Chords umkreisen eine fast außerhalb der Musik liegende Sphäre. Eine, die nur mich, den Hörenden angeht und von der ich ohne diese Musik nicht wüsste. Die – sagen wir – wie Möwen sichelnden Hi-Hats oder wie schwere See an- und umschlagenden Bässe, die herausrollen, nach vorne oder nach hinten, in nahezu schräg vor Schönheit hängende Lichtungen.

A FOREST zum Beispiel, der ein wenig tejadaeske Schatten wirft, aber ohne jede Pauke, nur mit mäanderndem Delay. Ja, ich erinnere mich, wenn ich BLIND oder FIELD höre, an das Sonnenlicht von morgen. Oder SIGNALS, ein Track, bei dem Arvo Pärt Pate gestanden haben könnte, dessen Tintinnabuli-(Glöckchen-)Stil sich hier aufs schönste mit dem Floor verbindet. Und nicht nur die Volumesäule geht auf, sondern auch das sprichwörtliche Herz.

VÖ ist am 18. Juni 2012

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Future Sounds Of Jazz Vol. 12

It’s been five years ago since the last FSOJ Vol. 11 was released, while the first one of this classic series was released in 1995. WelI, I have the feeling we are in a time machine now, back to some roots of FSOJ. Most of the tracks on Vol. 12 reminds me to the vibe of the first two or three editions of this series, especially the slower tunes, well the sound at all, too.

I can state: since 2007 till end of 2010 I have had a bit of a lack (with regards to content – bit empty argument place), neither I felt there is a need, nor did i felt the hedonic lust to compile another FSOJ. Well, there were a few good tunes out there that period, but not enough to carpenter and prepackage a whole compilation I would be proud of. Allowedly, between 2007 and 2010 I was, like many others, caught by the disco-, edit- and deep house fever.

Well, I still have this temperature, but nowadays such music is going to fuse more with the vibes and ingredients which I was prospecting for FSOJ. My stronger forage for FSOJ tunes started 2010, was tighten up 2011, while I got a déjà-vu: a lot of great future jazzy tunes, very interesting projects are around these days, which are close to the asthetic of sound und feeling of the early and mid Nineties, lot of reminiscence here and there. Anyhow, since Vol. 1 we must notice two totally new generations grown up; isn’t it public that every seven (7) years of music and cultural awareness we can salute to a new generation. I think, the younger projects here (for example: Lo Tide from Australia, Anchorsong and Ragout DeLapin, both acts from Japan, Scrimshire, Letherette, Laszlo, Sepalcure, Eden, Ensemble Du Verre) reflecting this.

I don’t mind if someone may deningrate or denuciate this as a lounge revival, it’s about music, not where you listen to this. Recently Mixmaster Morris said in an interview printed in Groove magazine, „it would be so nice and be deserving of a bigger come back at raves, in clubs, wherever“.

FSOJ 12 2-CD contains: 24 tracks, close to 160 minutes, 5 exklusive (previously unreleased) tunes and 2 Bonus Tracks

Laibach – We Come In Peace – The Original Iron Sky Soundtrack

In friedlicher Absicht veröffentlicht Mute am 27.04.2012 (digital am 06.04.) den Soundtrack „We Come In Peace“ zur durchgeknallten Nazi-Persiflage „Iron Sky“.

Der Beweis dafür, dass es auf der „dark side of the moon“ mehr als spacigen Rock à la Pink Floyd gibt. Von dort kommen nämlich neuerdings martialische Hymnen im unverwechselbaren LAIBACH-Sound. Schon jetzt genießt der Film Kultstatus. Mehr als 4,5 Million Klicks auf den Trailer innerhalb der ersten vier Tage können nicht irren. Und das war erst der Anfang.

Alles begann, als einem finnisches Filmteam in der Sauna eine Idee kam: Weltraumnazis auf der dunklen Seite des Mondes. Regisseur Timo Vuorensola setzte sich bei dieser Gelegenheit noch in den Kopf, dass der Soundtrack dazu unbedingt von LAIBACH kommen muss. Mehr noch, der bekennende Fan Vuorensola nahm das Gesamtkunstwerk LAIBACH gleich als Guideline für „Iron Sky“. Liegt nahe. Immerhin hat die Band in ihrer über 30järhrigen Karriere mehr als einmal Filme der Nazipropaganda durch den Kakao gezogen und der Titelsong von „Star Wars“ wurde auf „Jesus Christ Superstars“ (1996) verwurstet. So gesehen geht „Iron Sky“ auch als Hommage an die slowenische Band durch. Das ironische Spiel mit faschistoiden Symbolen auf der Folie atemberaubender Ästhetik verkehrt Nazipropaganda ins Absurde, gibt sie der Lächerlichkeit preis. Bei LAIBACH wird Musik und Kunst zur politischen Waffe, die durchaus unterhaltsam sein darf.

So schreibt der Tagesspiegel über „Iron Sky“ und LAIBACH: „der Film hat seine Momente, seine Laibach-Momente. (…) Es geht um unser aller Faszination für totalitäre Ästhetik. Laibach haben den Zusammenhang von Pop und Totalitarismus mit „Geburt einer Nation“ (…) auf den Punkt gebracht. Eine Pop-Hymne wird zum Reichsparteitagssoundtrack. Und es wird erfahrbar, dass die Nazis nicht nur auf Unterdrückung und Überwältigung bauten, sondern auch auf Ästhetik – und Heimeligkeit.“

LAIBACH stecken seit 1980 den Finger genau dort hin, wo es weh tut. Sie glorifizieren und überzeichnen die Ästhetik jener Regime, die mit totalitär naturgemäß nur sehr unzulänglich beschrieben sind, mit melodramatischen Wagnerhörnern, marschierenden Beats, brachialer Industrial-Elektronik und neo-klassischen Einflüssen. Sie richten den Fokus auf politische Kontroversen, ohne den Zeigefinger zu erheben. Ohne LAIBACH wäre eine Band wie Rammstein nicht denkbar, diese natürlich wiederum nur als Farce.

Timo Vuorensola ist begeistert von der Zusammenarbeit mit LAIBACH: „Their unique sense of humor and nice and twisted approach will really light a spark in the wretched genre of film music. We’re hoping to create something like Vangelis did for Blade Runner – not just a soundtrack, but a whole new world that echoes through the music.” Missiongelungen, können wir da nur sagen.

LAIBACH waren zu Beginn noch etwas skeptischer gegenüber den verrückten Finnen: „A few years ago we were approached by some crazy Finns on one of our tours in Finland to cooperate on film with them, but we didn’t take them that seriously at first. A year later we received a call and shortly afterwards the Iron Sky people visited Ljubljana. We went to our mountain shelter in the Julian Alps and they told us the story about the film they wanted us to collaborate on. They also showed us the work they had done so far and we were convinced straight away.” Gesagt, getan. Seit 2010 sitzen LAIBACH mit im Boot – äh, Raumschiff – der nerdigen Nazi-Parodie und steuerten unter anderem eine Version von „American Anthem“ vom 2006er Album „Volk“ bei.

LAIBACH erobern mit „We Come In Peace“ endlich ein breites Publikum. Sie zeigen der Welt, dass die traumatische Beziehung zwischen Musik und Macht, zwischen Kunst und Ideologie unterhaltsame politische Aufklärung sein kann.

VÖ ist am 27.04.2012

Tourdaten:
29.03.12 SE-Göteborg, Brewhouse
31.03.12 DK-Kopenhagen, Koncerthuset
01.04.12 Dresden, Strasse E
03.04.12 Berlin, Heimathafen
04.04.12 PL-Lodz, Wytwomia
05.04.12 CZ-Prag, Palac Akropolis
07.04.12 CH-Lausanne, Docks
08.04.12 FR-Paris, La Machine Du Mouline Rouge
11.04.12 UK-Birmingham, HMV Institute
12.04.12 UK-Manchester, O2 Academy
14.04.12 UK-London, Modern Tate/ Turbinhall

Rocket Juice & The Moon

Damon Albarn, seines Zeichens Frontmann von Blur und Gorillaz, ist jemand der sich recht intensiv mit neuerer Weltmusik auseinandersetzt. Zusammen mit Red Hot Chili Peppers – Bassman Flea und der Afrobeatlegende Tony Allen schickt er nun unter dem Namen „Rocket Juice & The Moon“ eine verdammt große Rakete gen Mond.

Der Legende nach entstand die Zusammenarbeit der Drei während eines Fluges nach Lagos, wohin die sie unterwegs waren, um dort als Mitglieder des Africa Express Musik zu machen. Damals, es war das Jahr 2008, entwarfen sich auch das Konzept für „Rocket Juice & The Moon“, doch dauerte es noch über ein Jahr, bis sie schließlich zu ersten Aufnahmen in Albarns Studio zusammen fanden.

Zur Komplettierung halten sich die Drei dann ncoh das Hypnotic Brass Ensemble (bekannt von den Gorillaz), die Sängerin Fatoumata Diawara, den Keyboarder Cheick Tidiane Seck, den Rapper M.anifest aus Ghana und die Souldiva Erykah Badu ins Studio.

Das Resultat dieser Zusammenarbeit klingt irgendwie nach afrikanischen Takten, Albarn, Flea und einem großen Eintopf aus afroeuropäischer Musik.

„Rocket Juice & The Moon“ ist ein krasses und irgendwie anderes Album. Es zählt stolze 18 Songs, deren musikalische Gewicht und Botschaft in dem Maße in den Hintergrund rücken wie der Spaß, den die beteiligten Musiker bei den Aufnahmen hatten, in den Vordergrund tritt.

Technisch bewegen sich die Musiker von „Rocket Juice & The Moon“ auf höchster Ebene und auch musikalisch ist ihnen etwas geglückt was zwar schon sehr nach Weltmusik – Made in Africa klingt, was aber doch auch – Dank klarer Strukturen und Kürze – sehr europäische Komponenten aufweist.

„Rocket Juice & The Moon“ ist so zu sagen ein afrikanisches Haus mit europäischen Tapeten. Es ist Bunt und voller klanglicher Überraschungen. Wer also auf richtig coole Musik steht und nix auf Mainstream gibt, der hat mit „Rocket Juice & The Moon“ was ganz dolles, womit man auch ganz toll durch den Frühling kommt.
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Neues von KOTTARASHKY

Im Mai erscheint ein neues Album von KOTTARASHKY & THE RAIN DOGS. Es wir “Demoni” heißen und wenn es so gut wird wie dieser Appetithappen, dann wird es richtig gut.

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