Archiv für Juni 2012
THE KINGS OF DUBROCK – „FETTUCCINI“
Liebenswert, entspannt und sehr eigen.
(Text: Ali Tschertow/FishBookLetters)
The Kings Of Dubrock sind der lyrische Jacques Palminger, die offensichtlich sprachbegabte Rica Blunck und Viktor Marek – welcher der Herr über die Maschinen ist.
Was The Kings Of Dubrock machen, das ist so ein Zwitterding, irgendwo zwischen Musik und Humor. Aber egal was es ist, es hat verdammt viel Bass und fühlt sich gut an. Die Texte sind verboten gut und in Kombination mit der entspannten Musik und dem sagenhaft leichten Gesang von Rica Blunck beinahe unanständig. Sie sind wir junge Enten, die über die Bürzeldrüse verfügen, sodass sie im dicksten Dreck spielen können, ohne dabei schmutzig zu werden. Uns so packen die Drei die knuffigsten Nogos an einander und sehen doch so unschuldig aus.
Sie singen von Calimero, von Uhren welche die Zeit befummeln, von zuckenden Beinen und MDMA.
„FETTUCCINI“ ist das zweite Album der Drei und es ist definitiv gelungen. Ganz egal ob man auf Dub oder ob man auf coole Texte abfährt. „FETTUCCINI“ hat für jeden was, oder es ist für jeden da, ganz so wie Deo aus der Werbung, das ja auch für jeden da ist.
Am 03. August 2012 erscheint „FETTUCCINI“ von THE KINGS OF DUBROCK und dann kann der Sommer so richtig los gehen.
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THE KINGS OF DUBROCK AUF TOUR:
23.08.2012 Flensburg, Volksbad
24.08.2012 Rendsburg, T-Stube
30.08.2012 Berlin, Festsaal
31.08.2012 Rostock, Helgas Stadtpalast
01.09.2012 Hamburg, Hafenklang
21.11.2012 Stuttgart, Schocken
22.11.2012 München, Rote Sonne
23.11.2012 Nürnberg, Desi
24.11.2012 Frankfurt, Zoom
Dirk Darmstaedter live im Horns Erben
Ist er vielleicht der letzte Troubadour? (Text: Ali Tschertow / FishBookLetters)
Am Samstagabend trat der in Hamburg lebende Singersongwriter im Leipziger Club Horns Erben auf. Da es den ehemaligern Sänger der Jeremy Days nicht so oft nach Leipzig verschlägt, freute ich mich sehr auf das Konzert.
Eine für mich bittere Pille, schon vor dem Konzert, war: dass keiner meiner Freunde die ich mitschleifen wollte, etwas mit Dirk Darmstaedter anfangen konnte. Es war beinahe so, als versuchte ich Regenwürmern etwas von Kernfusion zu erzählen. Man hörte mir zwar zu, aber die Information konnte nicht verarbeitet werden. Schade!
Als ich dann gegen neun im Horns ankam, musste ich feststellen, dass wohl einige Leute mehr nichts mit Dirk D. anfangen konnten, denn nur gut zwanzig Nasen hatten den Weg in die Arndtstraße gefunden.
Egal, so kurz nach neun betrat der Hamburger die Bühne und war trotz eines mäßig besetzten Saales äußerst gut gelaunt. Er spielte alte und neue Stücke und bestach auch durch wirklich coole Conférencen zwischen seinen Titeln.
Er erzählte von seiner Jugend in Norden von New Jersey, von seinem Tennis spielenden Sohn, von dem vermeintlichen Problem der absoluten Stille auf einer Bühne während eines Konzerts und von Nächten in Etap Hotels. In einem Solchen, es war wohl in der Nähe von Bielefeld, direkt an der Autobahn, gegenüber ein Trucker Treff, fragte er sich an einem verregneten Nachmittag, ob er wohl der letzte Troubadour sei. Er beschloss, dass dem so sei und wenn ich drüber nachdenke und versuche das Wesen des Troubadours in die heutige Zeit zu transponieren, dann muss ich sagen, dass er richt hat.
Aber zurück zur Musik. Dirk Darmstaedter ist immer noch ein hervorragender Komponist, Gitarrist und Sänger. Er erfreute uns mit gut neunzig Minuten Musik und lies sich trotz am Ende immerhin nur 30 Besuchern zu einer Zugabe hinreißen.
Fazit: Der Abend war nicht verschenkt, denn es gab richtig gute Musik, von einem echten Typen präsentiert. Die Location ist sowieso toll und so sage ich danke Dirk und danke Horns.
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BONAPARTE – “SORRY, WE’RE OPEN”
Ein Blick in den Plattenladen deines Vertrauens zeigt, dass es von Bonaparte schon eine ganze Menge Tonträger gibt, doch genau genommen ist “SORRY, WE’RE OPEN” BONAPARTEs erstes Studio-Album. Wieso? Nun die beiden Vorgängeralben “Too Much” und “My Horse Likes You” wurden ehrlich gesagt doch eher zwischen Autobahn und Bettkante auf einem Laptop aufgenommen.
Für “Sorry, we’re open” aber fand Jundt, dass es endlich an der Zeit war, ein eigenes Studio in Berlin einzurichten: “Ich habe den Großteil meines Lebens entweder direkt in Studios übernachtet, oder aber meine Wohnungen sahen immer sehr schnell aus wie Aufnahme-Studios…“
Weil Jundt mit BONAPARTE aber seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen mit seiner Bande in der Weltgeschichte herumgondelt, ist er nun überglücklich, in Berlin endlich einen festen Ort zu haben, an dem er sich jederzeit vom Tournee-Stress zurückziehen kann, um dort in Ruhe an neuem Songmaterial zu arbeiten…
“Sorry, we’re open“ ist navigatio vitae – mit dem der Kaiser und seiner Entourage unterwegs ist auf dem Lebensschiff HMS BONAPARTE. Im Studio wurden von Zeit zu Zeit die musikalischen Logbucheinträge getätigt: “There’s a schooner in the offing, with her topsails shot with fire, and our hearts have gone aboard her, for the islands of desire”, lässt Jundt seinen Computer zu Beginn im Intro „The Ship Is Thinking“ die Worte aus der Feder des US-amerikanischen Dichters Richard Hovey rezitieren, um im darauffolgenden ersten Song des Albums gleich den Zustand der Quarantäne auszurufen. „Quarantine“ ist Blues-infizierter Elektrorock. Hier lässt sich kaum mehr unterscheiden welches Signal aus einem Synthesizer, welcher Ton aus einer angeschlagene Saite einer schwer verzerrten E-Gitarre stammt: Digitale Gitarren und analoge Synthesizer im Duett.
Überhaupt gelingt es dem assoziativen Geschichtenerzähler Jundt und seinem Kollektiv auf diesem Album die Bonaparte typische Musik, basierend auf Traditionsgenres wie etwa Blues oder Folk auf der einen und urbaner Stilistik wie Elektro, Hip-Hop oder Dubstep auf der anderen Seite, weiter zu perfektionieren.
Konsequent wurde auf diesem Album übrigens MIDI als digitale Schnittstelle für Instrumente vermieden. Die Maschinen und Instrumente wurden also in Echtzeit aufgenommen.
So ist „Sorry we’re open“ ein Rave-punkendes Cyperblues-Album geworden, das von dem Schicksal der ewigen Betriebsamkeit, der Online-Getriebenheit in unseren Leben als herumwandelnde Open-Source-Datei ohne Dienstschluss weiß, und dabei trotzdem versucht das Menschliche in der Mensch-Maschine zu betonen:
„This is not what I call multitasking, this is madness!“, heißt es etwa in „Quick Fix“, der schnellen Lösungshymne für die Generation Suchmaschine um schließlich ironisch anzumerken: „Who needs history, if you can have hype?“.
Wer dem Vorurteil glauben schenkt, Bonaparte sei doch sowieso nur eine inszenierte Freak-Show, ein Spektakel in dem die Musik nur zweitrangig sei, der unterschätzt kolossal einen Ausnahmemusiker, dem seit Jahren seine musikalischen Erfolge nicht durch Zufall oder billige Gaunertricks passieren, sondern durch das Talent des Songschreibens.
Natürlich sind die Shows wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzepts. Aber bei welcher Band ist das nicht der Fall? Wer jemals bei einem BONAPARTE-Konzert war, der wird miterlebt haben, wie der ganze Saal jede einzelne Textzeile eines Songs wie etwa „Too Much“ inbrünstig mitsingt…
Tobias Jundt vergleicht BONAPARTE-Konzerte immer mit Schlachten, die man gewinnen muss. So bedient er sich im Titelsong konsequent der Kriegsmetaphorik: “My guitar like a kalashnikov, my bass-drum like a bazooka, pick up your artillery, in the myth of defeat,and if i’m gonna crack my voice, it’s my weapon of choice, the end of entertainment, is the beginning of war – my guitar, my guitar!”
Als Premiere gibt es mit „C’EST À MOI QU’TU PARLES?“ den ersten französischsprachigen BONAPARTE-Song, in dem Jundt die Sprache der Kavaliere und Charmeure nutzt, um fast fünf Minuten lang humorvoll sein Gegenüber mit Worten zu beschmutzen. Als gebürtigem Schweizer ist ihm das Spiel mit den unterschiedlichen Sprachen, Dialekten und Mentalitäten offenbar in die Wiege gelegt.
Immer wieder finden sich auf dem Album kleine Interludes, deren Titel in Längen- und Breitengraden angegeben sind. Reale und fiktive Inseln im Alltag zwischen Cloud und Kombüse: Hinter manchen Koordinaten verstecken sich lärmende Baustellen, während andere einen träumen lassen von dem paradiesischen Ziel dieser Album-Reise: „Bonahula“ – die Tiki-Bar der wilden Nächte, auf deren Veranda man in den Morgenstunden zufrieden und erschöpft auf der Hängematte liegt, den Wogen des Meers zuschaut während auf der Treppe ein kleiner, nimmermüder Rock&Roll-Kaiser schon wieder einen Song auf seiner Klampfe anstimmt: „Manana Forever!“
BONAPARTE – “SORRY, WE’RE OPEN” by (staatsakt/Warner Music Germany) wird am 17.08.2012 veröffentlicht und ist dann als CD/LP und Download verfügbar.
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Bonapate spielen diesen Sommer auf folgenden Festivals:
22.06.2012 Neuhausen Ob Eck, Southside Festival
23.06.2012 Scheessel, Hurricane Festival
14.07.2012 CH-Bern, Gurten Festival
15.07.2012 Freiburg, Sea of Love Festival
19.07.2012 FR-Paris, Cabaret Sauvage
03.08.2012 AT-Lustenau, Szene Open Air
04.08.2012 BE-Lüttich, Micro Festival
06.08.2012 UA-Evpatoria, Kazantip Festival (Live on Mars)
08.08.2012 HU-Budapest, Sziget Festival
10.08.2012 CH-Zürich, Lethergy Festival
11.08.2012 Rothenburg, Taubertal Festival
12.08.2012 Dresden, Filmnächte am Elbufer ( + Die Ärzte )
17.08.2012 Grosspösna/Störmthaler See, Highfield Festival
25.08.2012 Wiesbaden, Folklore im Garten’
08.09.2012 Berlin, Berlin Festival

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