Archiv für Oktober 2011
Interview mit Stephan NOÈ, geführt am 15.01.2011
Widukind spielt mit Picolino
Berliner Songwriter und Gitarrenvirtuoso Carsten Klatte meldet sich mit seinem neuen Projekt “Widukind” zurück auf die Bühne.
Diese neuen Kreationen werden mit einer Multimedia & Musikproduktion am 12.11 in der Berliner TheARTergallerie aufgeführt, technische unterstüzung von Picolino natürlich mit dabei.
“Widukind ist die Antwort auf die „Scheinbarkeit“, die Weltlichkeit unserer Gesellschaft. Widukind zahlt heim. Ein Traum antwortet auf eine Illusion, ein wirres Hirngespinst rächt sich am „Makel der Zeit“, jener Oberflächlichkeit, welche sich selbst nicht mehr begreift, als das, was sie ist, eine Degerneration ihrer Selbst, dazu bestimmt, „den Bach herunter zu gehen“. Widukind ist das zarte Innere des Menschen, ein Gewissen, eine unantastbare Schöne, welche es verdient, behütet zu werden. Eine Blume, eine Laune der Natur, welche sich nur offenbaren konnte, weil sie frei ist.
Widukind schmerzt. Widukind verwirrt oder klärt, spiegelt dich, in mir, in dir. Widukind ist die Synthese aus allem, dem Hörer, dem Künstler, der sozialen Plastik, welche aus allem entsteht. Widukind. Der Aufruf an die Seele, die Sprache der Herzen zu sprechen und den Gedanken zu beenden. Widukind IST.”
Mehr info unter Periplaneta
Nachtrag Interview mit Makarios (Die Art)
Nun habt ihr also das Interview direkt auf PICOLINO.co.uk
Die Art ist sicher vielen bekannt, ist sie doch eine Kultband. Text FBL
Gegründet wurde sie 1984 in der DDR als “Die Zucht”. Als es um die Einstufung ging, da musste ein neuer Name her, denn Die Zucht kam bei den Realsozialisten nicht gut an. Hier also der Mitschnitt des Gesprächs, das ich mit Makarios führte. Der erste Teil befasst sich mit der Geschichte der Band bis zur Umbenennung. Im zweiten Teil (erscheint morgen, 11.02.2011) geht es dann um die Zeit von der Einstufung bis zur Wende.
Im Hintergrund ist relativ viel Lärm, das sind die Druckmaschinen der Leipziger Druckerei P-OFF, eine Reminiszens an Makarios eigentlichen Beruf.
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FLARE ACOUSTIC ARTS LEAGUE
Man kennt das ja, wenn schon nicht aus dem eigenen Leben, dann immerhin aus Filmen: In einer besonders schönen Situation läuft zufällig ein bestimmter Song, der ab jenem Moment für immer und ewig mit der tollen Situation, der dabei gewesenen Person, dem unfassbaren Gefühl etc. verbunden sein wird. „Sie spielen unser Lied“, heißt es dann gerne, unter Umständen mit romantischem Augenaufschlag in der Schlange an der Supermarktkasse. Als ob das Lied irgendwas dafür könnte.
Sentimentaler Unsinn ist das.
Möchten Sie gerne wissen, was ein wirklich großes Lied ist? Dann sperren Sie mal die Augen und Ohren auf.
2009 hörte ich ein wirklich großes Lied. Die Situation ist völlig egal, denn sie war schon vor dem Lied sehr belanglos und trat, dementsprechend konsequent, spätestens nach der ersten Zeile beschämt in den Hintergrund. „When we die don’t look for me / in that special place you’re sure you’ll go“ sang da LD Beghtol sanft, um dann nüchtern hinzuzufügen: „’Cause they don’t like my kind up there / for the bible tells me so.“ Spätestens ab diesem Moment waren alle Situationen und Begebenheiten völlig schnurz, denn sie hatten sich aber mal ganz weit hinten anzustellen, hinter diesem unfassbaren 7 Minuten und 13 Sekunden langen Stück. Das Stück heißt „Love Finds Andy Warhol“ und ist gleichermaßen ernsthaft wie humorvoll, politisch wie privat, liebevoll wie garstig, schlicht: ein Traum. Es findet sich auf Cut, dem fantastischen, fordernden letzten Album von LD Beghtols FLARE ACOUSTIC ARTS LEAGUE, das gerne als „Geheimtipp“ gehandelt wird – und genau hier liegt das Problem. Wie kann ein Song, der fast alle anderen Songs mit einer großen Keule regiert, wie kann ein Album von solchem Format ein Geheimtipp sein? Wieso schlägt LD Beghtol nicht automatisch von allen Seiten die grenzenlose Liebe und Bewunderung entgegen, die ihm zusteht? Was soll das?
Wenn Sie jetzt beschämt den Blick senken: Recht so. Sie bekommen eine zweite Chance. LD Beghtol, der übrigens schon bei 69 Love Songs der MAGNETIC FIELDS einige der schönsten Songs gesungen und außerdem mit LD & THE NEW CRITICISM neben eigenen wunderbaren Werken das schönste Lisa Germano-Cover unter der Sonne aufgenommen hat, hat mit FLARE die mittlerweile vierte Veröffentlichung in Form zweier EPs fertig gestellt: Big Top/Encore
Die Doppel-EP gibt es neben der CD in zwei wunderschönen Special Editions:
- Die so genannte „Kidz Box“ CD in einer Art DVD-Verpackung in knatschpink (oder grün oder blau) mit Henkel, perfekt zum Herumtragen, um den ganzen Mitte-Hipstern auf ihren sonderbaren Fahrrädern mit ihren viel zu kleinen Kinderrucksäcken mal zu zeigen, wie der Trendhase wirklich läuft.
- Das schwere Vinyl mit vielen kleinen Gimmicks wie Aufklebern, Postkarten und Einmal-Tattoos und einem traumhaft rätselhaften Artwork des Künstlers Alex Lukas. Hundert Stück davon beinhalten außerdem ein „extra-special golden ticket“. Diese Superdeluxe Edition ist von außen nicht erkennbar – viel Glück beim Finden! Darin ist ein geheimnisvoller Umschlag mit forensischem Beweismaterial versteckt – perfekt für Feierabendermittler und FLARE-Komplettierungswütige.
Wenn die liebevolle Aufmachung dann Ihre Aufmerksamkeit erregt hat, wird das ganze Drumherum sich – wie schon 2009 – mal wieder schön hinten anstellen müssen. Hinter der ganzen hübschen Fassade wartet ein Album, das eingängiger aber nicht weniger spannend ist als der Vorgänger es war. Voller brillanter Melodien, die wie Mosaike aufgebaut sind, in denen Bläser und Streicher einen Reigen um kleine Metallophone, Handclaps und Fingerschnipser tanzen, in denen jeder Ton und jede Pause gleichermaßen Sinn machen.
Der Einstieg „Last Clown Standing“ ist ein veritabler Hit mit energetischer Orgel, gleichzeitig todtraurig und voller Hoffnung; ein angeschedderter Zirkus ist das erste Bild, der Verlust der kindlichen Unschuld, die Trümmer und die Asche, aus denen LD mit seiner wunderbaren Stimme nicht einen, sondern gleich einen ganzen Schwarm Phönixe hervorbeschwört.
LDs Stimme ist nicht die einzige, die die Songs trägt, denn FLARE ist ein Kollektiv: Endlich bekommt auch Dana Kletter die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Die Dame sang einst auf HOLEs Live Through This alle Passagen, die Courtney Love zu hoch waren und bekam dafür später sogar eine goldene Schallplatte zugeschickt; leider wartet sie bis heute auf die Tantiemen. Hier singt sie bei „Does This Sound Appealing?“ in schönster Harmonie mit Beghtol. Und ja, es klingt mehr als ansprechend. Neben Kletter sind mehr als zwei Dutzend andere Künstler beteiligt, beispielsweise Jon de Rosa (AARKTICA-Kollektiv), Cellistin Julia Kent (Anthony & the Johnsons / Devendra Banhart), der rüpelhafte spanische Troubador Remate und die hervorragende Kendall Jane Meade (MASCOTT / SPARKLEHORSE). Mit jedem Song und jedem Ton erschließt sich die Verspieltheit und Vielschichtigkeit, die FLARE ausmacht, ein Stückchen mehr.
Neben den neun Eigenkompositionen findet man auf den EPs zwei Coverversionen: „Yes I Do (Merry-Go-Round)“ ist ein mit Streichern getränktes PSYCHEDELIC FURS-Cover und eine Verbeugung vor deren Zeitlosigkeit. Jon und LD geben hier eine heliumschwangere Flo & Eddie-Performance zum Besten. „Bruises“, eine à-Capella-Version des erschütternden Songs von THE REAL TUESDAY WELD, geht naht- und schamlos in LDs verlotterte Kaugummi-Hymne „Candyman Pariah“ über und verliert durch diesen neuen Zusammenhang an Schwere, bekommt gar einen beinahe versöhnlichen Unterton. Beinahe.
Pro EP wird es eine Single geben. Den Anfang macht „Hideous Ethnic Stereotype“, eine totenkomische, weniger als zweiminütige Abhandlung über familiären Horror inklusive Religion, Inzest und Schnaps. Und dann ist da noch „Scenario“, mein persönlicher diesjähriger Anwärter auf den Übersong: Pop in Reinstform mit Mariachi-Hörnern, einem Spielzeugpiano, Handclaps, wundervoll heimtückischen Melodien und einem Break, der sich so leise von hinten anschleicht, dass man verdutzt und verzückt innehält. Und mit einem der fiesesten (und lustigsten) Texte, die LD je verfasst hat. So souverän und kunstvoll möchte man gerne mal einer Exbeziehung in den Hintern treten. Gerne auch in der Schlange an der Supermarktkasse. Auf dass der Satz: „Hör mal, sie spielen unser Lied“ im Hals stecken bleibe.
Falls meine persönlichen Lobeshymnen aus unerklärlichen Gründen nicht ausgereicht haben sollten, Sie zu überzeugen, dass man sich für Big Top/Encore den restlichen Tag freizunehmen und auf sämtliche Situationen zu pfeifen hat, empfehle ich – jetzt sofort – die beiden beiliegenden Texte von Gail O’Hara (SPIN / Times of London / Chickfactor) und Daniel Handler (Ihnen vielleicht besser bekannt als Lemony Snicket – genau, das ist der Typ, der in der Verfilmung „Rätselhafte Ereignisse“ von Jude Law gespielt wird) zu lesen. Handler spielt übrigens auch noch Akkordeon für die MAGNETIC FIELDS. Nicht die schlechtesten Referenzen, oder? (Text: Sonja Müller)
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SIMON FISHER TURNER und ESPEN J JÖRGENSEN
Die Geschichte der Kollaboration von SIMON FISHER TURNER und ESPEN J JÖRGENSEN ist die eines Zufalls. Der in Oslo ansässige Jörgensen, Elektro-Komponist und Filmemacher (The Sequential Art) war so beeindruckt von Simon Fisher Turners Score zu der David Lynch Produktion “Nadja”, einem in der Tat hervorragenden Vampirfilm, dass er ihm unaufgefordert ein paar seiner eigenen Tracks zuschickte… Ein Zufall, gleichzeitig aber könnte man mit einigem Recht sagen, dass sich die gesamte Karriere Fisher Turners an Hand solcher zufälligen Begegnungen mit anderen Künstlern erzählen ließe; von Aufnahmen aus den späten Sechzigern (die Fisher Turner – zumindest in England – zu dem zweifelhaften Ruf eines britischen Teenage David Cassidy verhalfen) bis zu seinen Soundtrackarbeiten für den späten Derek Jarma.
Diese Material der Kollaboration stammt aus Jörgensens Arbeit am Score der Comic Dokumentation The Sequential Art, zu der er sich mit Sounddesign, diversen Aufnahmetechniken und Effekten beschäftigte, am Ende aber doch der Zusammenarbeit mit Faith No More-Bassist Billy Gould den Vorzug gab.
Soundscapes beruht auf genau jenem Ausgangsmaterial. “Simon hat meinen Sounds eine neue Heimat gegeben,” sagt Jörgensen heute, „Ich schätze mich sehr glücklich, mit ihm zusammen gearbeitet zu haben, auch wenn das ursprünglich gar nicht meine Intention war, als ich ihn kontaktierte. Es ist einfach passiert.”
So wie auch vieles andere Im Leben des Simon Fisher Turner einfach passiert ist. Seine musikalische Karriere begann, als ihm der britische Autor, Musikproduzent und Impressario Jonathan King anbot, auf seiner Revox Bandmaschine zu experimentieren. Kaum eine der Aufnahmen von damals hat die Zeit überdauert, aber Fisher-Turner lernte das Samplen und Zusammenführen von Sounds, und verband die Welt des Films (seit frühen Jugentagen war er ein beliebter Teenie-Star und auch später als Schauspieler tätig) mit seinen Avant-Noise und Protopunk Versuchen. Würde man Fisher Turners Leben ab 1973, seinem 20. Lebensjahr, verfilmen, käme ein recht unglaubwürdiger Streifen dabei heraus; voller absurder Szenen, in denen der Protagonist mit dem Artschool Projekt Portsmouth Sinfonia auftritt, mit dem Scratch Orchestra Material für Brian Enos frühe Platten aufnimmt, von Sid Vicious verprügelt wird und Robert Mitchum während der Dreharbeiten zum Remake von “The Big Sleep” in Handschellen zu einem Konzert von Siouxsie and the Banshees entführt.
Die Rezension bei PICOLINO.co.uk kommt sobald das Album bei uns ist, also so schnell wie möglich.
NESSI WIRD VEGAN
Manchmal muss man Dinge einfach sehen, um zu begreifen, dass sie keine wirkliche persönliche Hürde darstellen und manchmal muss man einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen… pata2 Doku zum Start in ein veganes Leben.
Nessi ist 20, kommt eigentlich aus Hamburg und ist gerade frisch nach Berlin gezogen. Große Stadt, große Träume, große Fragezeichen. Musik machen – das ist alles was sie will. Doch engstirnig dem persönlichen Traum nachjagen ohne dabei nach links und rechts zu schauen und keine Rücksicht auf andere zu nehmen? Nein danke, das kommt für sie nicht länger in Frage! Schon länger schlägt sie sich mit dem Gedanken herum, ihr Leben umzukrempeln, auf ihr Gewissen zu hören und etwas in Angriff zu nehmen, das sie eigentlich schon so lange vorhatte: Vegan zu werden!
Begleitet Nessi auf ihrem Weg in ihr neues Leben und dabei sich humorvoll, kreativ und gelassen mit ihrem Ziel “vegan zu werden” auseinanderzusetzen, ihrem Traum Musik zu machen nachzujagen und sich ihren Weg durch den Dschungel Berlins zu bahnen!
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Cowboy Junkies – “Sing In My Meadow”
Diesmal geht es wirklich sehr düster bei den Timmins Geschwistern zu. (Text: Ali Tschertow FishBookLetters)
Sicher, die Cowboy Junkies sind nicht dafür bekannt, dass sich ihre Musik hervorragend als Party-Stimmungsmusik eignet, aber das erwartet ja auch keiner von ihnen. Vielmehr bewegt sich ihre Musik irgendwo zwischen völliger Betäubung und Ekstase. Auf dem aktuellen Album hat die Betäubung definitiv das Sagen.
Der Album Titel kommt noch ganz nett und somit irreführend daher, doch die Platte ist voll mit gespenstisch düsteren Klanggebilden, umrahmt von zerhackten Gitarrensoli.
Nach den wirklich großartigen „Remin Park“ und „Demons“ ist der mit „Sing In My Meadow“ nun dritte Teil der „Nomad Serie“ erschienen. Diesmal kommen die Cowboy Junkies härter, irgendwie kompromissloser und viel schroffer daher.
Wer will, mag Parallelen zu Neil Young und Co. erkennen, tu ich nicht. Aber ich kann sagen, dass mir „Sing In My Meadow“ enorm gut gefällt, weshalb ich nur zur Anschaffung dieses Albums raten kann.
VÖ war am 16.10.2011
Interview:
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Jona Weinhofen of Bring Me The Horizon
Jona Weinhofen, Gitarrist bei BRING ME THE HORIZON, hat uns vor kurzem in seinem PETA2-Vegan Testimonial die plausiblen Gründe für seine Entscheidung vegan zu leben dargelegt. Jetzt zieht PETA2 USA nach und hat zusammen mit Jona ein Motiv veröffentlicht, dass eine klare Message spricht: “Flesh Is For Zombies – Go Vegan! / Fleisch ist für Zombies – Werde vegan!”
Im nachfolgenden Video erläutert Jona seine Beweggründe. Und egal ob mit oder ohne Fleisch, Bring Me The Horizon machen extrem gute Musik. Hier geht´s zu peta2
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